VKapitel

Waren & Wege

Was die Koggen trugen, woher es kam und wohin es ging – der Fernhandel der Hanse als Kreislauf zwischen Rohstoffen des Ostens und Fertigwaren des Westens.

Der hansische Handel beruhte auf einem einfachen Gefälle. Der Osten und Norden Europas lieferten Rohstoffe und Nahrungsmittel: Pelze, Wachs, Getreide, Holz, Fisch, Erz. Der Westen lieferte Fertigwaren: Tuch aus Flandern und England, Wein, Gewürze, Metallwaren. Dazwischen, an der Schnittstelle von Ostsee und Nordsee, saßen die Hansestädte und organisierten den Umschlag. Lüneburger Salz und Schonischer Hering bildeten das Rückgrat des Ostseehandels; Lübeck wurde reich, weil beides durch seinen Hafen ging.

Die Handelsgüter

Salz

Lüneburg

Konservierungsmittel für Fisch und Fleisch. Die Lüneburger Saline förderte jährlich viele tausend Tonnen; über Alte Salzstraße und Stecknitzkanal gelangte das Salz nach Lübeck und von dort nach Schonen.

Hering

Schonen

Jeden Herbst zogen riesige Heringsschwärme an die Südküste Schonens. Auf den Fischmärkten von Skanör und Falsterbo wurde der Fang gesalzen und in Fässern in ganz Europa verkauft – Fastenspeise für Millionen.

Stockfisch

Bergen

Luftgetrockneter Kabeljau von den Lofoten, über das Kontor in Bergen gehandelt. Haltbar über Jahre und deshalb ideale Fracht für lange Wege nach Süden.

Tuch

Flandern und England

Feine Wollstoffe aus Brügge, Gent, Ypern und später aus England waren die wichtigste Fertigware des Westens und das Haupttauschgut gegen die Rohstoffe des Ostens.

Pelze und Wachs

Nowgorod

Zobel, Hermelin, Eichhorn und Marder aus den russischen Wäldern sowie Bienenwachs für die Kerzen der Kirchen – die Güter des Peterhofs.

Getreide

Preußen und Livland

Roggen und Weizen aus dem Hinterland von Danzig, Riga und Reval versorgten die wachsenden Städte Westeuropas.

Bier

Hamburg, Bremen, Wismar

Hopfenbier war ein Exportschlager; Hamburg galt im 14. Jahrhundert als „Brauhaus der Hanse“ mit Hunderten Brauereien.

Holz, Teer, Erz

Skandinavien und Baltikum

Schiffbauholz, Pech, Teer und schwedisches Kupfer und Eisen – die Grundstoffe für Werften und Werkstätten.

Backsteingebäude mit großen Fenstern und Schild in der Hamburger Speicherstadt
Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt: Die Idee der Lagerstadt am Wasser führt den hansischen Umschlagplatz ins 19. und 20. Jahrhundert fort. Foto: Maik Astheimer / Unsplash

Die Kogge

Das Lastschiff der Hanse war die Kogge: ein hochbordiger, bauchiger Einmaster mit Rahsegel, geradem Kiel, steilen Steven und einem Heckruder, dessen Laderaum weit mehr fasste als die flachen Schiffe der Wikingerzeit. Koggen trugen Kastelle an Bug und Heck, waren langsam, aber robust und ließen sich mit kleiner Besatzung fahren – ideal für Fässer voll Hering und Salz.

Wie eine Kogge tatsächlich aussah, weiß man erst seit dem 8. Oktober 1962. An diesem Tag stießen Baggerarbeiter in der Weser bei Bremen-Rablinghausen auf das Wrack eines Schiffs, das um 1380 gebaut worden war und – so die verbreitete Deutung – noch unfertig bei einem Hochwasser von der Werft gerissen wurde. Die Bremer Kogge ist 23,3 Meter lang, 7,6 Meter breit und das am besten erhaltene Handelsschiff des Mittelalters. Nach jahrzehntelanger Konservierung steht sie seit dem Jahr 2000 frei im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.

Im 15. Jahrhundert wurde die Kogge vom größeren Holk und schließlich vom Kraweel abgelöst, dessen glatt beplankter Rumpf aus dem Mittelmeerraum stammte.

Die Alte Salzstraße

Der wichtigste Landweg der Hanse führte von Lüneburg nach Lübeck. Über die Alte Salzstraße zogen Fuhrwerke mit Lüneburger Salz nach Norden, überquerten die Elbe bei Artlenburg nahe Lauenburg und erreichten über Mölln die Trave. Die Strecke war beschwerlich und von Zöllen gesäumt; noch im 16. Jahrhundert konnte eine Fahrt rund drei Wochen dauern.

1398 schuf Lübeck Abhilfe: Mit dem Stecknitzkanal entstand eine der ersten künstlichen Wasserstraßen Europas, die über Stecknitz und Delvenau die Trave mit der Elbe verband. Salzprahme – flache Kähne von etwa zwölf Metern Länge – brachten das Salz nun auf dem Wasser nach Lübeck; am 22. Juli 1398 erreichten die ersten dreißig Prahme die Stadt. Der Kanal wurde in den 1890er-Jahren durch den Elbe-Lübeck-Kanal ersetzt; sein Verlauf ist in der Landschaft noch erkennbar. Heute folgt ein Radfernweg der historischen Route zwischen den beiden Hansestädten.

Der Landweg Hamburg–Lübeck

Eine zweite Achse verband Lübeck mit Hamburg und damit die Ostsee mit der Nordsee. Statt die lange, gefährliche Umfahrung Jütlands zu wagen, luden Kaufleute ihre Waren in Lübeck auf Wagen und in Hamburg wieder auf Schiffe. Dieser kurze Landweg war die Grundlage für den Aufstieg beider Städte und für ihren frühen Zusammenschluss im Bund.

Maße und Münzen

Gehandelt wurde in Fässern, Lasten und Schiffspfunden; die Last als Schiffsmaß entsprach grob zwei Tonnen, variierte aber je nach Ware und Stadt. Als Münze dominierte seit dem 14. Jahrhundert der Lübecker Mark-Fuß, den der Wendische Münzverein ab 1379 für Lübeck, Hamburg, Wismar und Lüneburg vereinheitlichte. Die wichtigste Schrift der Kaufleute war das Mittelniederdeutsche – die Verkehrssprache der Hanse von London bis Nowgorod.

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